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PM: Internationaler Frauenkampftag

Die Anatomie weist Unterschiede auf, aber keiner von ihnen stellt einen Vorteil für das männliche Geschlecht dar“ – Simone de Beauvoir [französische Feministin und Vordenkerin]

Frauen dürfen doch schon alles, warum brauchen wir diesen Tag überhaupt noch?“ diese Äußerung klingt mitunter durch, sobald der bevorstehende Frauentag am 08. März 2022 angesprochen wird. Recht haben Sie, möchte manch einer hinter vorgehaltener Hand meinen, Frauen haben sich das gleichberechtigte Wahlrecht erkämpft, können heute ebenso Schlosserinnen wie auch Vorstandsvorsitzende werden und doch gibt es da diesen entscheidenden und immer noch sehr deutlichen Unterschied, wie der Blick in die Gehaltsabrechnungen zeigt.

„Wir können es als Gesellschaft nicht länger hinnehmen, dass Frauen nach wie vor für die gleiche Arbeit 21 % weniger Geld ausgezahlt bekommen, als ihre männlichen Kolleg/-innen“ meint die Kreisvorsitzende der Linken in Gifhorn, Nicoline Rohweder. „Frauen sind insbesondere in der Pflege als auch in der Sozialen Arbeit tätig. Berufe, in denen wesentlich geringere Löhne gezahlt werden, als im produzierenden Gewerbe. Das muss sich ändern!“. Die Bedeutsamkeit dieser Berufe solle laut Rohweder durch den geplanten Frauenstreik am 08. März 2022 verdeutlicht werden, denn „wenn wir streiken, steht die Welt still“. Außerdem sei eine zentrale Forderung der Linken seit jeher „gleicher Lohn für gleiche Arbeit!“, betont die Kreisvorsitzende.

„Dieses klare Statement ist wichtig“, findet Andreas Mantzke, Kreisvorsitzender der Linken in Gifhorn, „denn an dieser Stelle müssen wir als Gesellschaft nachbessern und für mehr Geschlechtergerechtigkeit einstehen. Immer noch sind Frauen stark überrepräsentiert in Teilzeitarbeitsverhältnissen, was Abhängigkeiten schafft und sich spätestens in den Rentenbeiträgen rächt“. Mantzke fordert die Fürsorgearbeit als gesamtgesellschaftlich wichtigen und nicht selbstverständlichen Beitrag anzuerkennen und entsprechend finanziell zu entlohnen. Dadurch solle die finanzielle Unabhängigkeit von Frauen erreicht werden.

„Meiner Einschätzung nach existiert eine beträchtliche Zahl von Menschen und insbesondere Männern, die Feminismus nervig und anstrengend finden. Das ist auch gut so, denn was nervt, wird wahrgenommen und was wahrgenommen wird, darf sich irgendwann verändern“, meint Rohweder. „Wir haben noch keine Geschlechtergerechtigkeit erreicht und so gilt es, die Bevorteilung von Männern nicht nur auf dem Arbeitsmarkt, sondern ebenso in Paarbeziehungen sowie der familiären Aufteilung zu hinterfragen und aufzulösen“.

Speziell von einer partnerschaftlichen Arbeitsteilung seien laut der Linken die meisten Paare noch weit entfernt. „Den größten Teil der unbezahlten Arbeit – Hausarbeit, Kinderbetreuung und Pflege – leisten in Deutschland nach wie vor Frauen“ meint Rohweder und verweist auf eine aktuelle Auswertung des WSI GenderDatenPortals. „Frauen von 18 bis 64 Jahren verwenden mehr als doppelt so viel Zeit für unbezahlte Fürsorgearbeit und das 1,6-fache für Hausarbeit wie Männer. Noch deutlicher sind die Unterschiede bei Erwerbstätigen mit Kindern, was die Hans-Böckler-Stiftung bereits 2017 gezeigt hat“.

Wir laden alle Leser/-innen herzlich ein, den Selbsttest zu starten, mit einer neu entwickelten App „WhoCares“, die durch die Rosa Luxemburg Stiftung gefördert wurde. So kann der eigene Anteil an Care Arbeit errechnet und mit anderen Mitgliedern im eigenen Haushalt verglichen werden. Zudem kann jede/r Nutzer/-in ein mögliches Gehalt für diesen Zeitraum errechnen lassen. „Ich bin mir sicher, da würden vor allem die Frauen staunen, was sie alles unbezahlt leisten, wenn wir uns dann vorstellen, dass diese Arbeit entlohnt werden würde, würde sich das positiv auf Frauen und Männer auswirken“ sind sich die beiden Vorsitzenden des Kreisverbandes Gifhorn sicher.