Änderung von belasteten Straßennamen in der Stadt Gifhorn
Rede zum Antrag “Änderung von belasteten Straßennamen in der Stadt Gifhorn” zur Sitzung vom 16.03.2026.
Sehr geehrter Herr Vorsitzender, Herr Bürgermeister, Liebe Kolleg:innen, Liebe Pressevertreter:innen und liebe Besucher:innen
Heute entscheiden wir darüber, wen unsere Stadt im öffentlichen Raum weiterhin ehren will – und wen nicht.
Cheforganisator der Olympischen Spiele im NS-Staat.
Aufruf zum „Endkampf für Führer, Volk und Vaterland“.
Verantwortlich für Maßnahmen gegen die Gifhorner Jüdinnen und Juden.
Verantwortlich für rassepolitische Schulungen.
Billigung von Menschenversuchen.
Ausbeutung von Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern. Der Betrieb einer sogenannten „Ausländerkinder-Pflegestätte“, in der etwa 350 Babys und Kleinkinder einen qualvollen Tod starben.
Das sind nur einige der Taten von Menschen, deren Namen wir in Gifhorn bis heute im öffentlichen Raum tragen – als Straßennamen.
Und ich möchte das ausdrücklich betonen: Straßennamen sind nicht neutral. Sie sind eine Form der Ehrung.
Die Benennung von Straßen ist ein bedeutsames Instrument der städtischen Erinnerungskultur. Sie dient als Denkmal für Personen, Ereignisse oder Institutionen. Straßennamen helfen also nicht nur bei der Orientierung – sie machen Geschichte im öffentlichen Raum sichtbar und bringen zum Ausdruck, wen oder was eine Stadt würdigen möchte.
Und genau das ist der strittige Punkt, wollen wir als Gifhornerinnen wirklich diese Menschen würdigen?
Dieser Antrag steht einer verantwortungsvollen und differenzierten Erinnerungskultur keineswegs entgegen. Im Gegenteil: Es geht nicht darum, Namen aus der Geschichte zu tilgen. Es geht darum, ihre Taten sichtbar zu machen und historisch einzuordnen. Gerade in einer Zeit, in der demokratische Werte wieder stärker unter Druck geraten, ist es wichtiger denn je, sich der Geschichte bewusst zu sein – damit sich ihre dunkelsten Kapitel nicht wiederholen.
Deshalb habe ich gern den Vorschlag der CDU übernommen, durch sichtbare Hinweistafeln der historische Kontext deutlich zu machen. ABER Es muss der Kontext sein, der erklärt, warum diese Straßennamen geändert wurden.
Denn eine verantwortungsvolle Erinnerungskultur bedeutet, Geschichte aufzuarbeiten – nicht, problematische Personen weiterhin im öffentlichen Raum zu ehren.
Nach über einem Jahrzehnt Diskussion, wissenschaftlicher Beratung durch Historikerinnen und Historiker und intensiver historischer Aufarbeitung ist es nun an der Zeit, eine Entscheidung zu treffen.
„Geschichte können wir nicht ändern.
Aber wir können entscheiden, wen wir in unserer Stadt weiterhin ehren – und wen nicht.“
Vielen Dank
Sandra Zecchino, Mitglied des Stadtrates

