Rede: Bürgermeisterkandidatin Sandra Zecchino beim Pastasciutta Antifascista
Pastasciutta Antifascista 24.07.2026 Mehrgenerationenhaus
Liebe Gäste,
schön, dass ihr heute Abend da seid. Ich freue mich sehr, dass wir die Pastasciutta Antifascista inzwischen schon zum dritten Mal gemeinsam hier in Gifhorn feiern können.
Für alle, die mich noch nicht kennen: Mein Name ist Sandra Zecchino. Ich bin in Gifhorn aufgewachsen, habe aber italienische Wurzeln. Deshalb bedeutet mir dieser Abend auch persönlich sehr viel.
Die Geschichte, an die wir heute erinnern, gehört für viele Menschen in Italien zur Erinnerungskultur. Umso schöner ist es für mich, dass wir diese Tradition inzwischen auch hier gemeinsam weiterführen.
Und hinter dieser Tradition steckt eine Geschichte, die mich schon lange begleitet und die ich heute mit euch teilen möchte.
Sie führt uns nach Italien. Genauer gesagt in den Sommer 1943, in ein kleines Dorf in der Emilia-Romagna.
Das Land befindet sich mitten im Krieg. Lebensmittel sind knapp, viele Menschen wissen nicht, was der nächste Tag bringen wird.
Und dann, am 25. Juli, verbreitet sich eine Nachricht, auf die viele lange gehofft haben: Der faschistische Diktator Benito Mussolini ist gestürzt.
Im Dorf Campegine lebt die Familie Cervi – eine Familie, die ihren Überzeugungen auch in schwierigen Zeiten treu bleibt. Als die Nachricht vom Sturz Mussolinis das Dorf erreicht, entscheidet sie sich, diesen Moment nicht für sich zu behalten.
Obwohl sie selbst nicht viel hat, kocht sie große Mengen Pasta und verteilt sie kostenlos an die Menschen im Dorf. Jeder soll mitfeiern können. Jeder soll spüren, dass nach Jahren der Unterdrückung wieder Hoffnung möglich ist.
In einer Zeit, in der es an fast allem fehlt, entscheidet sich diese Familie nicht dafür, das Wenige festzuhalten. Sie entscheidet sich dafür, es mit anderen zu teilen.
Aus einer einfachen Mahlzeit wird ein Zeichen der Hoffnung. Aus einem gemeinsamen Essen wird ein Symbol für Solidarität und Menschlichkeit.
Der Krieg war damit allerdings noch nicht vorbei. Wenige Monate später wurden die sieben Söhne der Familie Cervi von den Faschisten verhaftet und erschossen. Sie bezahlten ihren Widerstand mit dem Leben.
Und trotzdem erinnern wir uns heute nicht zuerst an ihren Tod.
Wir erinnern uns an ihre Menschlichkeit. An ihren Mut. Und an die Entscheidung, Hoffnung mit anderen zu teilen.
Vielleicht berührt mich diese Geschichte gerade deshalb bis heute. Weil von der Familie Cervi nicht nur ihr Opfer geblieben ist, sondern vor allem ihre Menschlichkeit.
Die Familie Cervi hat der Welt nicht nur eine Geschichte hinterlassen. Sie hat uns gezeigt, dass selbst eine einfache Geste Menschen verbinden kann. Vielleicht ist genau das der Grund, warum diese Tradition bis heute weitergeführt wird. Nicht weil sie uns Antworten gibt, sondern weil sie uns daran erinnert, was eine einzige menschliche Geste bewirken kann.
Heute Abend schreiben wir diese Geschichte nicht fort, indem wir nur über sie sprechen. Sondern indem wir das tun, was die Familie Cervi damals getan hat: Wir setzen uns gemeinsam an einen Tisch, teilen eine Mahlzeit und verbringen Zeit miteinander.
Ich finde, darin steckt eine schöne Form des Erinnerns.
Schön, dass ihr heute Abend Teil davon seid.
Ich wünsche euch gute Gespräche und natürlich: guten Appetit.

